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Jane's Addiction

Jane’s Addiction sind wieder da. Die Band, die in den späten 80ern und frühen 90ern ein Feuerwerk musikalischer Ideen zündete und damit für eine wahre Rock’n‘Roll Revolution sorgte, kommt in einem Moment, wo sie wahrlich dringend gebraucht wird.

„Strays“ ist das erste Studioalbum mit komplett neuen Stücken der Band seit über einer Dekade und es ist vielleicht ihre bislang ungewöhnlichste Veröffentlichung. Raketengleich, wie immer angetrieben durch die farbenfrohe Lyrik Perry Farrells, die außergewöhnliche Fingerfertigkeit des Gitarristen Dave Navarro, die kraftvolle Darbietung von Drummer Stephen Perkins und unterstützt von dem neuen Kung Fu-Bassisten Chris Chaney, zeigt „Strays“ die Band auf dem Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens.

 

Es ist die logische Fortführung von dem Punkt, an dem wir damals aufgehört hatten“, erklärt Navarro. „Aber ich denke, das liegt auch daran, dass unsere Musik zeitlos ist. Das war schon immer der Schlüssel zu Jane’s Addiction - alles was wir machen ist retro und futuristisch zugleich.

 

Und Perkins sinnt über die anhaltende Kraft der Band: „Man kann nicht genau sagen, wo die Energie und der Sound eigentlich herrühren. Aber die Musik ist sowohl für gestern und heute als auch für morgen relevant.“

 

Die Rückkehr der Band bezeichnet Farrell als „Prozess wie beim Winzer. Als Team sind wir jetzt stärker als je zuvor. Wir haben viel größere Ziele. Und es besteht Bedarf – die Welt ist verzweifelt, und, so bizarr das klingen mag, das macht es viel aufregender und spannender.“

 

Mitte der 80er waren Jane’s Addiction in eine völlig ahnungslose Welt explodiert und eroberten die Musikszene im Sturm. Der Grund: ein völlig neuartiges Amalgam aus Punk, Metal, Indie, Progressive Rock, Folk und was immer ihnen noch so über den Weg lief. 1987 veröffentlichten sie das „Jane’s Addiction“ benannte Livealbum, im Jahr darauf folgte das noch heute maßgebliche „Nothing’s Shocking“. 1990 erschien das kommerziell höchst erfolgreiche Album „Ritual De Lo Habitual“, das mehrere Wochen in den oberen Regionen der Billboard 200 notierte und der Band eine Platinauszeichnung bescherte. Der Erfolg des Albums war umso erstaunlicher, hatte die Band doch ihre Aggressivität und Attitüde keineswegs zugunsten des stets wachsenden Publikums eingeschränkt hatte. 1991 lösten Jane’s Addiction sich auf und feierten ihren Abschied mit einer neuartigen Festivaltour durch Nordamerika – dem nach wie vor legendären Lollapalooza.

 

Anstatt langsam auseinander zu bröckeln, hatte diese Band sich mit Pauken und Trompeten verabschiedet. Und ebenso wenig zogen sich die einzelnen Bandmitglieder jetzt in ihr Privatleben zurück, sondern bewegten sich auf verschiedene musikalische Grenzregionen zu. Farrell und Perkins gründeten Porno For Pyros, Perkins selbst hatte noch das Projekt Banyan, Navarro betätigte sich mit Bassist Eric Avery bei Deconstruction und spielte von 1993 bis 1997 bei den Red Hot Chili Peppers mit.

 

1996 schien es fast so, als sollte Jane’s Addiction wieder auferstehen, als Navarro mit dem Chili Peppers-Bassisten Flea seine früheren Kumpane bei Porno For Pyros besuchte und mit ihnen für den Soundtrack von Howard Sterns Film „Private Parts“ einen Song aufnahm, das beeindruckende „Hard Charger“. Die Zusammenarbeit war so erfüllend, dass sich Jane’s Addiciton im Herbst 1997, mit Flea am Bass, offiziell wiedervereinigten und in den Staaten auch auf Tour gingen („It’z My Party“). Im November desselben Jahres erschien „Kettle Whistle“, eine Sammlung mit allen möglichen Demos, Alternate Takes, Liveaufnahmen und zwei neuen Songs.

 

Die einzelnen Mitglieder der Band widmeten sich anschließend wieder ihren Soloprojekten, darunter die von Kritikern hoch gelobte Veröffentlichung „Anytime At All“ von Banyan im Jahr 1999, Farrells „Song Yet To Be Sung“ und Navarros „Trust No One“, beide aus dem Jahr 2001. Im April 2001 kamen die einzelnen Mitglieder wieder zusammen, mit Martin LeNoble von Porno For Pyros am Bass, um sowohl als Headliner auf dem zweiten Coachella Valley Music & Arts Festival zu spielen als auch im Herbst eine Jubilee 2001 Tour durch Nordamerika zu absolvieren. Allen wurde schnell bewusst, dass es sich hier um mehr als eine Greatest-Hits-Jukebox auf Reisen handelte – die musikalische Kraft, die hier am Werk war, musste weiter genutzt werden.

 

Als die Jubilee-Tour vorbei war, schauten wir uns an: ‚Das können wir nicht noch einmal machen“, erinnert Perkins. „Wir haben uns zweimal zusammengetan und die alten Songs gespielt – sind wir jetzt reif für neue Herausforderungen?“ Und Navarro fügt hinzu: „Keiner von uns versteht dies jetzt als ‚reunion‘. Wir sind eine brandneue Band, die eben eine lange gemeinsame Geschichte hat. Wir haben seit vielen Jahren immer mal wieder zusammen gearbeitet. Für mich hat sich alles in diese Richtung hin entwickelt. Wir sind erwachsener, sowohl als Personen als auch als Musiker, und jetzt haben wir es vermocht, etwas ganz Besonderes gemeinsam zu kreieren.“

 

Musiker haben eine biologische Uhr, das ist wie beim Kinder machen“ sagt Farrell. „Man fühlt einfach in seinem Bauch, wann die Musik fertig ist und herauskommen möchte, wann es Zeit wird sich zusammen zu finden und die optimale Musik zu machen. Wir merkten einfach, dass die Zeit reif war, Ernst zu machen und neue Platten zu produzieren. Es war bei mir schon immer so: Wenn es richtig ernst wurde mit der Musik, dann musste es mit diesen Jungs geschehen."

 

Und die Erfahrungen, die jedes einzelne Mitglied in der Dekade, die sie getrennt waren, gemacht hat, ermöglicht es Jane’s Addiction nun, eine ganz andere persönliche Basis zu finden. Nach über 15 Jahren sind sie mehr als Freunde und Bandkumpane, sie sind eine Familie. „Wir haben jeder so viele andere Wege beschritten, aber wir sind zusammengekettet – wie im Gefängnis“ sagt Farrell. Und Navarro meint: „Seit ich selbst Kopf einer Band war, kann ich Perry viel besser verstehen, und seitdem habe ich auch viel mehr Respekt für das was er macht. Ich habe gelernt, wie schwierig es ist, wenn man vorne auf der Bühne steht und sein Herz und seine Seele darbieten muss. Das hat unsere Beziehung ungemein gestärkt – als Bandmitglieder und als Freunde.

 

Musikalisch kannten wir uns sehr gut, als Personen weniger,“ erinnert Farrell. „Ich lebte immer irgendwie in meiner eigenen Welt, aber jetzt weiß ich, dass wir alle in einer Welt leben und dass da reichlich Platz ist für alle. Für mich ist es sehr wichtig, dass wir auch Freunde sind.“ Perkins erläutert: „Als Jane’s Addiction auf dem Höhepunkt der Berühmtheit war, ging es uns gar nicht gut. Die Kommunikation funktionierte überhaupt nicht, also war allen klar, dass wir keine weitere Platte mehr machen konnten. Dafür müssen alle das gleiche Bild malen, und wenn einer den Himmel dunkel blau will und der andere hellblau, dann muss man darüber reden und sich einigen. Jetzt ist das ganz anders. So wie wir jetzt miteinander reden - das hat es damals gar nicht gegeben.

 

Richtig vereint und mit einem gemeinsamen Ziel – so marschierten Jane’s Addiciton im März 2002 in die legendären Jim Henson Studios in L.A., um neue Songs zu schreiben. Sie wussten zwar, welcher Sound ihnen vorschwebte, aber dennoch begann die Band ihre Arbeit bei Null.

 

Wir hatten keinen einzigen Song“, erläutert Perkins. „Wir wussten nur, wir wollen wieder etwas zusammen machen. Wir wollten in einem Major Studio sein, damit wir alle Ideen aufnehmen könnten. Wir wollten wirklich hören können, wie wir klingen.“

 

„Es gab keinen Königsweg, wie wir die Songs gemacht haben“ sinniert Navarro. „Eigentlich verstehe ich es selbst nicht. Die Songs sind organisch und sehr intuitiv, sie entstehen einfach so. Das ist schwer zu erklären, es passiert einfach. ‚Price I Pay‘ zum Beispiel – letztes Jahr spielten wir in Korea, und danach wollten wir alle auf eine Party gehen. Perry ging in sein Zimmer und fing an, Texte zu schreiben – er arbeitet mit einem Laptop, benutzt elektronische Grooves und so was, und hört die sich über Kopfhörer an. Ich ging zu ihm, um ihn an die Party zu erinnern und hörte ihn singen: ‚The price I pay! The price I pay!‘ – immer wieder. Er sang so laut, dass ich laut an der Tür bollern musste, aber wegen der Kopfhörer hörte er mich immer noch nicht. Als er endlich raus kam, sagte ich: ‚Was auch immer du da gemacht hast, es hörte sich super an!‘ Als wir dann wieder in L.A. im Studio waren, erinnerten wir uns an den Moment und dann haben wir vier gemeinsam einen Song daraus gemacht. Das ist typisch für die Art, wie unsere Musik entsteht – es gibt keine spezielle Herangehensweise, es passiert einfach.“    

 

Einfacher zu lösen ist die Frage nach dem Produzenten der „Strays“-Sessions: Legende Bob Ezrin, der schon für Künstler wie Alice Cooper, Lou Reed und Pink Floyd arbeitete, saß an den Reglern. Gemeinsam mit seinem langjährigen Toningenieur Brian „Gummo“ Virtus brachte er eine Vielfalt an Erfahrung und Weisheiten mit ein, und erlaubte es dadurch Jane’s Addiction, bislang unberührtes kreatives Potential auszuschöpfen.

 

Farrell schwärmt: „Er hat mehr musikalische Facetten als jeder andere Mensch, den ich kenne. Da wurde es für mich wirklich aufregend. Ich konnte schon immer sehen, wo die Musik herkam und wo sie hinging. Also habe ich mir was eingebildet: ‚Hey, Mann, sag mir nicht wie ich einen Song schreiben soll’. Aber wenn Bob einen Vorschlag macht, denke ich: ‚Ah, daran hatte ich nicht gedacht’. Aber ich halte mich trotzdem für cleverer.“ „Bob hat wirklich das Beste aus uns rausgeholt“, fügt Navarro hinzu. „Er hat nie gesagt: ‚Das geht nicht‘, sondern ‚Versucht es so‘.

 

Er hat für uns alle den Standard ziemlich hoch gesetzt. Das ist, als würde man für die olympischen Spiele trainieren -– etwas Großes, auf das man als Künstler hinarbeitet. Du versuchst, die allerschönste Musik zu machen, einen Sound zu kreieren, den es so noch nicht gegeben hat. Wenn man mit Bob arbeitet, kommen diese Ziele in greifbare Nähe“, sagt Farrell.

 

Wenige Monate nach Beginn der Sessions verabschiedete sich der Bassist Martin LeNoble, doch seine Lücke wurde schnell von Chris Chaney gefüllt, den Navarro als „womöglich intensivsten Musiker, mit dem ich je gearbeitet habe“ bezeichnet. Der Bassist, der mit einer Vielzahl von Künstlern von Alanis Morissette bis Rob Zombie gespielt hat, fand sofort seinen Platz in dem außergewöhnlich gruppenorientierten Songwritingprozess der Band.

 

Viele der Songs sind auch mit der wechselnden Besetzung gewachsen“, beobachtet Navarro, „‘Price I Pay‘ ist einer meiner Lieblingssongs, und wurde durch Chris‘ Teilnahme stark beeinflusst. Dieser Song entwickelt sich, er geht in viele verschiedene Richtungen, deckt viel ab, sowohl vom Sound her als auch emotional. Er ist ein perfektes Beispiel für die Musik von Jane’s Addiction. Unser Ansatz ist an den Songs orientiert. Es gibt zwar Songs, die sich episch anfühlen, aber wir brauchen keine acht bis zehn Minuten, um dieses Gefühl aufzubauen. Wir haben gelernt, wie man in dreieinhalb Minuten episch klingen kann, und das ist viel schwieriger.“

 

Perkins fügt hinzu: „Jane’s Addiction ist wie Porsche oder Ferrari fahren: Man steigt ein und weiß, es wird sehr schnell. Wir sind ins Studio gegangen und unsere Einstellung war: schnell, hart, modern, auf den Punkt.

 

In politischen Belangen haben Jane‘s Addiction aus ihrer Meinung nie einen Hehl gemacht und auch jetzt haben sie sich vorgenommen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf bestimmte Dinge zu richten. Dabei geht es nicht nur um drohende Kriege, sondern auch um die Umwelt, die heute bedrohter ist als je zuvor. Und die Band weiß um ihren Einfluss, und möchte auf Themen wie alternative Energie, speziell wasserstoffbetriebene Fahrzeuge, hinweisen.

 

„Ich versuche nach wie vor, eine positive Ausstrahlung zu haben“, sagt Farrell. „Meine oberste Priorität ist natürlich, dass die Leute einen tollen Abend haben. Aber innerhalb dieser Glücksblase muss auch Platz für ernste Momente sein. ‚Hypersonic‘ handelt eben von alternativen Brennstoffen, was uns als Städter betrifft. Außerdem laufen die USA Gefahr, jegliches Umweltgesetz wieder zu kippen, und die Musik dringt von allen Stimmen am weitesten in die Herzen der Menschen hinein.

 

„Wir sind uns alle der Macht bewusst, die unsere Musik ausüben kann“ erläutert Perkins. „Natürlich will ich, dass die Leute bei unserer Musik ausflippen, aber ich wünsche mir auch, dass sie, wenn sie wieder zuhause sind, Liebe machen und über ihre Welt nachdenken.

 

Natürlich beläuft sich der Großteil der Songs auf „Strays“ auf das von Farrell geprägte Motto „Gute Zeiten, wilde Zeiten, in wessen Auto fahre ich eigentlich gerade?“ „Wrong Girl“ etwa handelt laut Farrell davon, „wie man in eine Prügelei gerät mit einem Schrank von Kerl und dann zusieht, wie eine messerscharfe Braut das Schlachtfeld betritt und den Kerl fertig macht“, wohingegen das bereits erwähnte „Price I Pay“ von „einem Typen erzählt, der in Korea durch die Straßen läuft und in den Bars ganz merkwürdige, exotische Menschen trifft, dann in seinem Hotel zur Beruhigung ins Bad steigt und sich fragt, ob er den Rückflug schaffen wird.

 

Thematisch ist das Album zwiegespalten, was Farrell folgendermaßen erklärt: „Es gibt hard work und hard play. Wenn einer nur arbeitet, wird er langweilig, und irgendwann verlässt ihn seine Frau. Wenn ein Typ nichts ernst nimmt, nur rumhängt, verlässt ihn irgendwann seine Frau. Man muss also beides können, hart arbeiten und ordentlich Spaß haben. So sollte auch ein Album sein -– Momente, die sich anfühlen wie ein Tritt in den Magen, und solche, wo man auf der Stelle rumknutschen will.

 

Und mit diesem Konzept haben Jane’s Addiciton auch geplant, im Sommer 2003 das Lollapalooza-Fest wieder auferstehen zu lassen. Wie das Original soll auch diesmal ein euphorisches Gemeinschaftsgefühl entstehen, und das bei einem Rockpublikum, das sich zunehmend zu diversifizieren scheint.

 

„Wir haben ein neues Format für Festivals gefunden“, verkündet Farrell. „Lollapalooza wird komplett verkabelt, es wird einen Hypereffekt auf die Leute haben. Das neue Lollapalooza wird die Entertainmentbranche ebenso revolutionieren, wie es das alte getan hat.“

 

„Strays“ ist mehr als nur die glorreiche Rückkehr von Jane‘s Addiction, es ist der Höhepunkt einer ohnehin schon bemerkenswerten Karriere und eine Kampfansage an die Generation Z.

 

Navarro freut sich: „Dies ist das wichtigste Album meiner Karriere. Nicht im Vergleich zu den früheren, einfach nur, weil es sich so special anfühlt.“

 

Und Farrell merkt an: „Ich halte es nicht mehr aus. Manchmal höre ich Radio und denke: ‚Wie konnte es soweit kommen?‘ Schluss mit diesem Pop-Quark, es wird Zeit, wieder die Welt zu erobern!“

 

Jane’s Addiction halten für dieses hehre Ziel jedenfalls alle Trümpfe in ihren Händen.  JUNI 2003


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