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Supergrass

“Liegt die Keimzelle des Lebens in den Weiten des Weltalls? Entstanden Mikroben, Maulwürfe und Menschen letztlich aus Kometenbrühe?“

 „Zeugung aus dem All“, Der Spiegel vom 5. August 2002

 

Jules Verne trieb einen gewissen Phileas Fogg in 80 Tagen um die Welt. Supergrass benötigen gerade mal 40 Minuten, um mit an Lichtgeschwindigkeit heranreichendem Tempo durch die schönsten Kapitel der britischen Rockgeschichte zu jagen. Für ihr neues Album „Life On Other Planets“ haben die Könige des Popzitats wieder ihre Zeitmaschine angeschmissen und nehmen uns mit auf eine Expedition ins Ungewisse – die üblichen Stippvisiten in vertrauten Galaxien im Fahrpreis inbegriffen. Ein Dutzend neue Songs, die auf wahre Popfans wirken müssen wie Meteoriteneinschläge. Supergrass ballern aus allen Rohren und man ist geradezu erschlagen. Aber gemach, gemach, vor der Exegese dieses musikalischen Universalangriffs werfen wir einen Blick auf die Genesis von Band und Werk.

 

Von Anfang an waren Gaz Coombes, Mickey Quinn und Danny Goffey in ihrem musikalischen Schaffen von einem Entdeckergeist geprägt, der andere glattweg verblassen ließ. Schon die 94er Debütsingle „Caught In The Fuzz“ inszenierte Punk mit so viel kindlicher Euphorie, dass dagegen selbst Johnny Rotten bieder und bierernst wirkt. Die erste Single war ein Auftakt nach Maß für das Trio aus Oxford. Und danach ging es Schlag auf Schlag:  „Alright“, „Richard III“, „Sun Hits The Sky“, „Going Out“, „Pumping On Your Stereo“ und „Moving“. Blitzlichter einer Karriere. Singles mit Pfiff und Humor allesamt, stets mit Grandezza produziert und von tiefer Liebe für die unterschiedlichsten Galionsfiguren der britischen Popmusik geprägt. Und mit nur drei Alben - „I Should Coco“ (1995), „In It For The Money“ (1997) und “Supergrass” (1999) – avancierten Supergrass schließlich selbst zu Nationalheiligen, die mit Musikpreisen gekrönt und von Millionenverkäufen beglückt allen Grund haben, auf ihr sonniges Gemüt auch weiterhin ganz und gar zu vertrauen.

 

„Life On Other Planets“ nahm tatsächlich in einer fernen Galaxie erste Formen an, genauer gesagt in Südfrankreich – und das kann für einen typischen Engländer tatsächlich eine fremde und seltsame Welt sein. Et bien, nachdem Gaz, Mickey und Danny nach ihrer letzten Tournee erst einmal ein wenig gesunden Abstand voneinander gewinnen wollten und jeder eine Zeit lang seine eigenen Wege gegangen war, traf man sich zum großen Brainstorm in einer Villa in Südfrankreich und nistete sich dort für einige Wochen ein. „Wir brachten unsere akustischen Gitarren mit und etwas Wein und hatten viel Spaß miteinander. Wir haben uns richtig verwöhnt, mit gutem Essen, haben zusammen relaxt, ferngesehen, den Luxus genossen, aber gleichzeitig neue Songs geschrieben. Es war wieder wie am Anfang, als wir alle zusammen in einem Haus in Oxford lebten.“ Kurzum, Supergrass haben gelebt wie Gott in Frankreich und bei so viel Champagnerlaune war natürlich damit zu rechnen, dass auch musikalisch die Korken knallen.

 

Bewappnet mit zwei Dutzend Mini-Discs voller Songideen kehrten Gaz Coombes und seine Mitstreiter nach England zurück und filterte das Dutzend Songs heraus, das ihnen am stärksten erschien. Zu einem maßgeblichen Bestandteil ihres aktuellen Klanguniversums wurde der Prophet 5 Synthesizer, ein Ende der Siebziger entwickeltes polyphones Soundmonster, dessen wolllüstig schmalzige Klangmöglichkeiten sowohl Alt (Kraftwerk, Pink Floyd, Tangerine Dream) als auch Jung (New Order, Soft Cell, Teardrop Explodes) leidenschaftlich nutzten. Mit der Unterstützung des kalifornischen Produzenten Anthony Hoffer (Air, Beck) haben nun auch Supergrass von diesem antiquierten Wunderwerk der Synthesizertechnik ausgiebig Gebrauch gemacht und sogar einen Song („Prophet 15“) nach diesem benannt. Die psychedelischen Klänge, die wie eine Mixtur aus Nostalgie und Science-Fiction wirken, geben „Life On Other Planets“ die surreale Klangdimension eines mit Patina behafteten Futurismus. 

 

 

Dabei verzichten Supergrass keineswegs auf ihre typisch archaische Bissigkeit. Beim Opener „Za“ werden Bowie, Bolan und Lennon mal wieder kurzerhand in einen Sack gesteckt und dazu wird nicht auf den Sack, sondern wie die Krähen aufs Feld aufs Piano gehackt. Großer Pop eben. Mit hoch jagenden Gitarren geht auch „Rush Hour Soul“ so scharf in die Kurve wie Paul Weller zu seinen besten Zeiten mit The Jam. „Seen The Light“ wiederum ist so Glam, dass man sich diesen Song leibhaftig mit Kajal, Glitzerschminke und Federboa vorstellen möchte. Für „Brecon Beacons“ springen Supergrass mal schnell auf den Ska-Zug und erinnern uns an die wilden Tage, als sich die Specials, Madness und XTC gemeinsam in den Charts tummelten. Mindestens ebenso abgefahren sind die Lyrics. „Brecon Beacons“ handelt nach dem Bekunden der Band von einem bizarren Mord: In einem Dorf wird eine Mädchenleiche gefunden. Es stellt sich heraus, dass es sich um die Tochter einer Hexe handelt, die einem geheimen Zirkel angehört. Und auch die Polizei scheint in diesen Mord verwickelt zu sein... Noch Fragen?

 

Da kann man sich schon lieber an das beatlesk bodenständige „Grace“ halten. Grace heißt die kleine Tochter des Studiobesitzers (kein Geringerer als Chris Gifford von Squeeze), die bei den Aufnahmen ständig ausgelassen im Studio herumturnte und mit ihrer Sammelbüchse die Jungens zu der Schlüsselzeile „save your money for the children“ animierte. Gerade frisch als Single ausgekoppelt, dürfte schon diese vor purer Lebenslust überschäumende Single den Rubel für Supergrass kräftig ins Rollen bringen. Ein weiteres Musterbeispiel einer kompakten Energieleistung ist „Never Done Like This Before“, ein ähnlicher Start-Ziel-Sieg wie ihn kürzlich die Vines mit dem Titelsong ihres Debütalbums „Highly Evolved“ hinlegten. Keine zwei Minuten lang, aber voll auf die Zwölf! Natürlich können Supergrass auch ganz anders. Wer sonst traut sich schon an die elegische Mixtur aus der Poesie von Divine Comedy und der New-Wave-Manier von The Cure (besonders „Love Cats“): „Evening Of The Day“ bringt dieses Kunststück mit überwältigendem Charme fertig.

 

Klar kann man ausufernd über all die Zitate schwärmen, über Magazine und die Stranglers, deren Nöhligkeit bei „La Song“ als wunderbare Mimikry auftaucht, oder über das wie auf Zuckerwatte getragene „Prophet 15“ mit all den schrägen Tönen, die sich in eine psychedelische Ballade ergießen, wie sie jüngst auch die Flaming Lips aus dem Hut zauberten. Und für das finale „Run“ warten Supergrass mit Gesangsharmonien auf, für die bis dato nur Queen zu Lebzeiten von Freddie Mercury zuständig schienen, um dann in jenen siebten Rockhimmel zu entschwinden, in dem sich seit Jahr und Tag Pink Floyd ausgebreitet haben. Nach knapp 40 Minuten hat man wirklich das Gefühl, sich in den denkbar unterschiedlichsten Welten befunden zu haben. Mit „Life On Other Planets“ zeigen Supergrass nicht nur unglaublich viel Mut zum Experiment, sondern vor allem ihr Talent, sich musikalische Welten Untertan zu machen. Supergrass tragen das Superlativ wahrlich mit Fug und Recht in ihrem Bandnamen. Und ihr neues Album ist eine Supernova in der Kometenbrühe unseres musikalischen Alltags. Ein kosmischer Husarenstreich!

copyright 2001 by EMI Electrola GmbH & Co KG (www.emimusic.de) 



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