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The Cooper Temple Clause

Bei der Vorstellung einer neuen britischen Band ist normalerweise obligatorisch, die euphorischen Reaktionen der UK-Presse zu präsentieren. Diese hat besagte Band üblicherweise zum aufregendsten Ding seit Neros Wagenrennen erklärt und feiert seit einem halben Jahr auf Titelseiten ihre Fähigkeit, trotz Frisur eine Gitarre nicht fallen zu lassen.

 

Nicht so hier. Klar, The Cooper Temple Clause bekamen ihre Features und Rezensionen, aber die britische Presse hält sich überraschend zurück. Dabei haben wir hier endlich einmal wieder eine richtig spannende Band von der Insel vor uns, ein zwölfbeiniges zynisches Groovemonster, das seinen eigenen Weg geht. Sechs Kleinstadtaussenseiter Anfang zwanzig, die sich gefunden haben und nun ihren Frust und ihre Wut mit ihrer Plattensammlung (Primal Screams „Xtrmntr“, Warp, Mogwai, Led Zeppelin, Neil Young, die Stone Roses... alles!) zu einem brodelnden, explosiven Gebräu aus Lärm, Melodie und Sarkasmus zusammen mischen.

Eigentlich müsste die englische Presse in ekstatischen Zuckungen am Boden liegen, statt dessen gibt es unsicheres Lob oder schüchterne Beschwerden, The Cooper Temple Clause seien „zu kompliziert“. Aber man rufe sich in Erinnerung: Auch Muse oder Radiohead waren erst nach auswärtigen Erfolgen in den bunten Seiten der Weeklies willkommen. TCTC sind auf dem richtigen Weg.

 

Die Geschichte von The Cooper Temple Clause beginnt in Reading, einer Satellitenstadt ca. eine Autostunde westlich von London. Reading ist ein Begriff in der Musikwelt, schließlich findet hier jährlich eines der etabliertesten und größten Festivals Europas statt. „Es gibt hier aber keine Szene, das ist lächerlich, bei dem Riesenfestival hier“ schimpft Bassist Didz Hammond, „man fühlt sich hier allein auf weiter Flur.“

 

Denn an den anderen 362 Tagen im Jahr ist Reading eine Kleinstadt wie jede in Europa. Eine verschlossene, kleine bürgerliche Welt. Hier wahrt ein jeder nach außen den schönen Schein, die täglichen Schweinereien und Grausamkeiten werden unter den Teppich gekehrt oder finden zu Hause hinter verschlossenen Türen statt. Hier aufzuwachsen, bedeutet Frust und verzweifelte Suche nach einem Sinn. Die Meisten finden ihre Kicks jedoch im typisch britischen „smalltown violence“ oder in Drogen und Alkohol.

 

In diesem tristen Umfeld trafen sich die sechs Gleichgesinnten Ende der 90er Jahre, drifteten aus verschiedenen Vorgängerbands zueinander zum heutigen Line-up. (Ben Gautrey, vocals. Dan Fisher, guitar and vocals. Tom Bellamy, guitar, effects, analogue synths, vocals, bass. Kieran Mahon, keyboards. Jon Harper, drums. Didz Hammond, bass, vocals, guitar.) In einem Schuppen nahe einer Schweinefarm am Stadtrand traf man sich nach der Arbeit, um abends stundenlang zu jammen und die verschiedenen musikalischen Ausrichtungen zu The Cooper Temple Clause zu verbinden. Didz: „Am Anfang standen alle auf Grunge und Britpop, dann ging jeder seinen Weg zu Elektro, Jazz, Lo-Fi, HipHop oder Sonic Youth... jetzt finden wir gerade wieder zueinander, bei Bands wie Trail Of Dead oder bei Post Rock.“ Hier wurden die sechs nicht nur zur eingespielten Band, sondern auch zur geschlossenen Einheit, die sich trotzig gegen die Doppelbödigkeit und Falschheit ihrer Umwelt stellt.

 


 


 


 

Doppelbödigkeit und Trotz. Diese Ansätze zieht sich als roter Faden durch alles, was die Band tut. Er findet sich nicht nur im Coverartwork („See This Through And Leave“ ziert ein gutbürgerliches Familienheim, davor ein Volvo – dessen Auspuffgase ins Hausinnere geleitet werden), er findet sich auch in den Videos zu „Film Maker“ und „Let’s Kill Music“. Er findet sich im Widerspruch zwischen der meist fetzigen Musik und den nachdenklichen, bösen Texten und natürlich in diesen Texten selbst.

„We Dare You To Mean A Single Word You Say!“ bellen The Cooper Temple Clause durchgehend durch ihren ersten Top-40-Hit „Let’s Kill Music“ wie ein Sechs-Mann-Rachefeldzug gegen Alles. Hauptschreiber Dan Fisher (Didz: „Alle Mitglieder schreiben Texte, aber seine sind die, an denen niemand etwas auszusetzen hat.“), von dem alle Lyrics des Albums stammen, teilt seine Texte in zwei Kategorien ein: „Tödliche Rachephantasien und besessene unglückliche Liebeslieder – „Film Maker“ beispielsweise ist ein besessenes Liebeslied, das ich mit siebzehn schrieb, „Been Training Dogs“ eine Rachephantasie. Wer mit 16 mit langen Haaren an den Pubs in Reading vorbei muss, zieht besser den Kopf ein. Ich bin so einige Male verprügelt worden... Tom hat einmal zurückgeschlagen – mit einem Beefburger! Er hatte nichts anderes zur Hand und haute seinem Angreifer den Burger ins Gesicht. Saute ihn mit Mayo ein. Hat’s ihm gezeigt!“

 

Aber weiter im Programm: Alsbald galt das ungestüme Sextett auch über Readings Grenzen hinaus als großes neues Ding. Im Winter 2000 unterschrieben The Cooper Temple Clause bei der BMG-Tochter Morning Records, ab März 2001 erschienen erste limitierte Singles („Hardware EP“ mit Lead Track „The Devil Walks In The Sand“, „Warfare EP“ mit Lead Track „Panzer Attack“). Im September folgte mit „Let’s Kill Music“ die erste offizielle Single, die dann auch prompt zum ersten UK-Top 40-Hit der Band wurde. Im Januar 2002 kam die Double-A-Side-Single „Film Maker / Been Training Dogs“. Im gleichen Zeitraum machten TCTC mit ersten kleinen Tourneen und prominenten support slots auf sich aufmerksam, so beispielsweise mit Muse oder zuletzt mit Embrace (auf deren ausdrücklichen Wunsch). Nun kommt mit dem Album „See This Through And Leave“ endlich der erste Longplayer auf den Markt.

 

Auch hier zeigen die sechs sich ambitioniert: „Wir wollten einen Klassiker machen“ so Didz. „Etwas Innovatives, das man sich auch in zwanzig Jahren noch anhören kann, das die Horizonte der Hörer erweitert“ fügt Dan hinzu, „Wir wollen den Sound der Rock Music an Orte bringen, wo er noch nicht war.“ Produzent Paul Corkett (u.a. Nick Cave, Placebo, Suede) ließ den Jungs dabei freie Hand auch für experimentelle Arbeitsweisen. Dan: „Songwriting kann für uns sehr kompliziert sein, weil wir sechs Leute mit sechs verschiedenen Meinungen sind. Teilweise arbeiteten Tom und Kieran getrennt an Elektronik und Effekten, während wir die Livetracks einspielten.“

 

Der Versuch ist geglückt: „See This Through And Leave“ wurde ein durchgehend abenteuerliches Stück Musik, das immer wieder zu überraschen vermag. Das von Anfang bis Ende in sich geschlossene Album zeigt trotz unterschiedlichster Stile von schrägem Indierock („Who Needs Enemies“) bis zu Elektroexperimenten („555-4832“) das stimmige Gesamtbild einer ehrgeizigen, hochintelligenten Band. Das Album funktioniert, weil sich durch alle Abwechslung und Spielerei ein dicker roter Faden zieht: The Cooper Temple Clause haben Persönlichkeit und stehen für etwas - womit wie wieder bei den Stichworten Trotz und Doppelbödigkeit angekommen sind.

 

Aufregende, aktuelle Klänge, aussagekräftige Texte – erstklassiges Futter für Bauch, Beine und fürs Köpfchen. Und das alles von einer schweinecoolen Gang. Was kann man mehr wollen?

 

Vielleicht die Erklärung, was der Name „The Cooper Temple Clause“ bitteschön bedeuten soll? Hier aber halten sich die sechs bedeckt: „Wir hören immer neue Erklärungen, die sind oft höchst komisch. Also lassen wir die Leute spekulieren. So bleibt’s interessant!“

 

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